Falscher Kogel – Namenlos Hütte

2009 – Erstkontakt mit den Bergen:

Der Mitbewohner und ich beim wandern???

Schwer vorzustellen, wobei die Betonung auf dem Wort „schwer“ liegt.

1200 Höhenmeter in zwei Tagen?
Dreieinhalbstunden Aufstiege?

Fallsüchtiger Mensch mit Hang zur Panikattacke in großen Höhen auf einen 2200 Meter hohen Felsmassiv wo es im Hintergrund gemütliche 300 Meter runter geht???

Was war geschehen?
Steve und Anhang haben kurzerhand mit dem Mitbewohner beschlossen, dass es doch mal an der Zeit wäre wieder etwas im Gesamten zu machen, nach dem wir schon eine sehr witzige Zeit auf dem Summerbreeze verbracht haben, wurde kurzerhand beschlossen letztes We nach Österreich zu fahren, eine gemütliche Nacht auf einer Alpenhütte zu verbringen um unsere müden Knochen ein wenig in Wallung zu bringen…

Wandern für Stadtkinder???

Als Alibi zwei mal die Woche Jogger und Permanent Untergrundkämpfer gegen meine Gewichtsklasse dachte ich mir vor Beginn des Trips???
Wenn der Mitbewohner das kann???
Dann kann ich das schon lange… Also auf zur Plötzigalp bei Pschlaps???

Man kann ja jetzt schon anfangen zu schreien…aber mal ehrlich…wo zur Hölle liegt das????

Nachdem wir uns schon um 7 aus dem Bett gequält hatten, beim McDonaldo noch den Koffein Nachschub gestillt, einen Haufen blöden Sprüchen über die „Zwangsseilschaft“ gerissen hatten, inklusive der vorhergegangen Spiessrutenläufe auf Facebook (Feinde braucht man wirklich nicht wenn man auf Facebook Freunde hat:-), wir Survivalmässig auf alles eingestellt waren, die vielleicht in Frage kommende Notschlachtung des Mitbewohners und dessen anschliessenden Verzehres inklusive schon mal in Betracht gezogen… war dann doch das erste Verzücken des landschaftlichen Panoramas auf dem Parkplatz zu hören… Naja…dachte ich mir…so schlimm kann es ja nicht werden… die ersten zehn Minuten waren ja auch nett…wirklich…ich dachte mir mit meinem wasserfesten Fahrradkurierrucksack und dem lockeren Kilo Brot und den Fredsalien kann das ja nicht so schwer sein???

Bis???

Ja bis wir an die erste Steigung garniert mit einem verzückenden Geröllgemisch kamen, der Gleichgewichtsinn als erstes komplett geprüft wurde, und ich auf einmal sehr große Schwierigkeiten hatte, meine Rauchergeschädigte Lunge mit Sauerstoff zu füllen. (An dieser Stelle kann ich noch hinzufügen, das ich am Abstieg einen Tag später diese Stelle immer noch genau kannte…eingebrannt auf Lebzeiten!!!)

Naja…scheiss drauf dachte ich mir…so lange wird das ja nicht gehen…wird schon wieder flacher…also beissen mein Freund…der Mitbewohner hustet ja auch schon seine Teerlunge leer…dann darfst du auch ein bisschen schnaufen…wird schon…wird schon…wird schon???

Alter Scheiss…der kleine Trick fürs Großhirn ging mal keinen Meter auf…Nach der Steigung ist vor der Steigung…Es ging einfach eineinhalb Stunden so weiter…und nach weiteren zehn Minuten war mir klar…Auf was zur Hölle hast Du dich da eingelassen…

Der Puls geht bis zum Anschlag, die lockeren Sprüche über den gemütlichen Spaziergang waren komplett gestorben, alles was noch an Luft ging musste reingepackt werden, die gut gemeinte Ratschläge von Steve das man sich nach einer Viertelstunde daran gewöhnt waren erstmal weit nach hinten gerutscht, schwitzend, keuchend hiess es einfach nur.

„Fuss heben, Fuss heben, Fuss heben, Laufen Laufen Laufen alter Mann…“

Am ersten Zwischenkreuz angekommen, schmeckte das von Aldi mitgebrachte Biobrot und die Salami wie ein 7 Gänge Menü bei Dumpfbacke Beckmanns Kochsendung, oder wie man sich das so als Fernsehzuschauer eben vorstellt…

Nebelschwaden rutschten über die Gipfel, leidgeplagte Gesichter kamen aus dem Tal, eine 79 Jährige Lady die unverschämt gut aussah ging mit Ihrem Hund spazieren, und wir zwei Stadtkinder???
Hofften einfach nur nach der kurzen Ruhe wieder Kraft zu schöpfen…
Wie dankbar ist der Körper???
Wie dankbar ist der Geist???

Nach eine kurzen Pause, der Körper vergisst sehr sehr schnell die Anstrengung…gingen wir dann im leichten Nebel oder Wolkengedöns…weiter auf den „Falschen Kogel“ (Festivalmitarbeiter können sich jetzt über folgenden Satz freuen) Wir haben den „Falschen Kogel“ bestiegen:-)

Was laut Führer Steve als „Anfängerroute“ vorgestellt wurde, war für mich bis nach oben eine starke Willensanstrengung.

Bin Fallsüchtig und wirklich kein Held was Höhe anbelangt…
Glücklicherweise ist man so mit sich selber beschäftigt, dass man es nur bedingt am Rande mitbekommt wie verdammt steil die Angelegenheit ist (das es hinter dem Berg senkrecht nach unten geht habe ich ja schon vorher beschrieben:-) Oben auf einem kleinen Plateau ging es dann nochmal 50 Meter zum Gipfel…der Mitbewohner und ich hatten aber beschlossen das wir uns das fürs nächste Jahr aufheben…war für den Kopf nicht so spassig einen eineinhalb Meter breiten Weg zu ersteigen wo es rechts und links einfach nur noch nach unten geht…und das am ersten Tag…
Also blieben wir da oben sitzen…und genossen die Aussicht…Nach der ersten Zigarette…(wie blöd man auch sein kann) bekam ich dann endlich die erste Panikattacke nach zwei Jahren…

Als therapiertes Vollmitglied dieser Gesellschaft dachte ich mir…abwarten, das legt sich, der Gipfel rutscht nicht weg…und ja du kommst hier auch wieder runter…nein du wirst nicht durch einen Schwindelanfall wie eine Schneekugel den Hang runter stürzen…
Oh gnädiger Geist…
Oh gnädiger Körper…
nach fünf Minuten Panik war es dann auch vorbei…und mir wurde klar wie klein ich doch bin…umschlossen von einem Massiv, dem Himmel nah, dem Grund so fern, Kinder, Hochphilosophische Gedanken rasten durch meinen Kopf…es war einfach super schön…

Der Abstieg machte auf einmal Spass, der Körper eingestellt, und los gings wieder runter und weiter zur Hütte… Nach einer gemütlichen Cafepause an der Hütte, eine sehr witzigen Gespräch mit einem Bayern und einer Lady aus Augsburg, machten wir noch einen schönen eineinhalbstündigen Nachmittagsspaziergang auf den nächsten Gipfel, die Höhe war auf einmal normal spannend, auf einem von Sackpeitschen umschlossenen Plateau machten wir gemütlich ein Sitin, danach ging es wieder zurück und wir freuten uns auf den schönen Abend…
der von ein paar Jugendlichen mit Gitarrenmusik begleitet, leckeren Essen und ein zwei Bier kartenspielend zu Ende ging. Zum Rauchen muss man natürlich raus, das die Hirsche gerade Brunftzeit haben, sei in einem netten Nebensatz erklärt…
und ja…
die Kollegen machen einen riesen Wind, fast so wie im Myers am We:-)

Erklärung:

Sackpeitschen sind kleine Bäume die auf dieser Höhe nicht größer werden wie???Naja…eben so hoch das wenn der Hintermann nicht aufpasst die Äste ordentlich an den Sack gepeitscht bekommt…

Österreichische Gastrofreundlichkeit zeichnet sich dadurch aus, das wenn die Trinkwasserversorgung verseucht ist, man abgekochtes Teewasser für freundliche 2,50 Euro den Liter kaufen kann.

Eine Gams aber mal locker zwei Meter hoch springt
Und Steve tatsächlich Phantomschnee sieht:-)

Am nächsten Tag kam dann die zweite Tour…Tortour???

Das wir um 7 Uhr aufgestanden sind um unsere Tagespensum zu erreichen sei nur kurz erwähnt, Holzhütten keinen Schallschutz besitzen und man auch den Furz von drei Zimmern weiter hört ebenso, man freiwillig bei den Wassertemperaturen das Duschen gegen das Deo tauscht…Hüttenschlafsäcke voll für den Arsch sind und lieber gegen einen Sommerschlafsack wie Adi ihn hat eingetauscht werden sollten…die Seilschaft zusammen wächst, ein Mann ohne arme schneller den Berg mit großen Rucksack raufkommt wie wir, die Pächterin der Hütte eine doofe Puntze war, Ohrenschützer gegen den Mitbewohner in der Nacht ein Segen sind, Luft auch sauber sein kann, das ich die Tage bei dementsprechendem Interesse meiner anonymen Blogleser weiter schreiben werde:-)

weil???

es einfach der Klopfer war:-)

Aber was klar sein wird???

Es kommen noch einige sehr sehr nette Passagen, die leider hier und heute den Rahmen sprengen, muss ja auch noch arbeiten gehen:-)

Grüße

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