Entschenkopf (2043m)

Bei der Macht des Schnitzels.
Und im Anhang natürlich wie immer der geschriebene Blog:-)

Mittwoch Abends in der Stammkneipe in der Ulmer Oststadt. Ein Schnitzel in der Grösse eines Ufos, einen Eimer voll Sosse und ein paar Bier.
Das versteht der Schwabe als ideale Vorbereitung um am nächsten Tag auf den Entschenkopf zu traben. 1250 Höhenmeter und 6,5 Stunden Laufzeit. So steht das mal im Internet.

Wer recherchiert und ein paar Blogs durchliest wird feststellen, dass die meisten Schreiberlinge im Netz über eine Kondition verfügen, die Miguel Indurain zum Wasserträger degradiert und wo Jan Ulrich nur noch als Mechaniker arbeitet. Wir haben knapp 8,5 Stunden gebraucht. Tja. Jetzt kann man streiten. Über was man nicht streiten kann. Die Tour ist nicht für Kinder geeignet, schwindelfrei und trittsicher sollte man sein. Und wenn wir schon dabei sind. Ein wenig Erfahrung beim klettern wäre auch nicht so schlecht. Ach ja.

Schneefelder gab es, aber die waren schon so aufgeweicht und an Stellen das man diese höchstens noch als Fotomontage zum schocken der Eltern missbrauchen konnte.

Was solls. Drei Pärchen unterwegs. Und das auch noch in einem gut durchmischten Altersdurchschnitt. Die Hausfrauenpsychologen unter uns können sich jetzt die Hände reiben und beruhigt folgenden Satz durch die Wohnung schmettern. „Bei den Anderen stimmts doch auch nicht daheim!!!“ oder seinen Partner in den Arm nehmen und zärtlich „Wir machen alles richtig Schatz“ ins Ohr flüstern.
Und dann auch noch einen Alpentrip mitten in den Ferien. Was das für Auswirkungen auf die Besucherzahlen hat? Da kommen wir wie immer später darauf zu sprechen.

Doch vor dem entscheidenden Spiel gegen Portugal und der sinnvollen Frage ob es überhaupt erwähnenswert ist, über das Nachtleben von Kollegen Boateng mit der silikonwahnsinnigen E Prominenz Gina Lisa zu schreiben?
Kann das Auswirkungen auf das Abschneiden der Mannschaft heute Abend haben?
Wohl eher nur den Imageschaden wenn beide bei Interviews sinnfreies zum besten geben. Aber schieben wir das nationale Fussballempfinden bei Seite und lassen das Oststadtorakel entscheiden. Ist es für manche Pressehäuser eine Kuh oder ein Elefant, so ist es in der Oststadt der nicht namentlich genannte Stammgast der mit 138 db seinen Tipp ungefragt mit der letzten Aufbietung seiner nüchternen Aussprache über den Biergarten schmettert.
Jetzt ist es aber wieder gut. Man sollte während des Kreativprozesses nicht nebenher im Internet surfen und sich ablenken lassen.

Wir starten in Reichenbach und fahren auf den ausgewiesenen und gebührenpflichtigen Parkplatz (867 m) und bestaunen den Dorfältesten beim überwachen der Fahrzeuge. Für die Ferienzeit und den Feiertag waren da noch recht wenige Fahrzeuge geparkt. Der erste Aufstieg zur Geißalpe (1149 m) geht über einen schönen Tobelweg. Wasserfälle begleiten einen und der Weg ist Kinderfreundlich. Wer hier schon den einen oder anderen Blog gelesen hat, wird sich sicher noch an den Bericht aufs Rubihorn vom letzten Jahr erinnern. Da habe ich die Ausfahrt verpasst und bin dummerweise über den betonierten Wirtschaftsweg gelaufen. Zu dieser Jahreszeit sollte sich das fleissige Stadtkind auf rutschigen Untergrund vorbereiten.
Es taut gerade ordentlich.
Zum warm machen ist der Weg zur Geißalpe gut zu meistern. An der Geißalpe kann man entweder Richtung Geißalpsee und zum Anschluss aufs Rubihorn rumpeln, oder man geht links weiter Richtung Rubihütte durch den Wald. Dass wir uns da verlaufen haben? Könnte man jetzt auf den österreichischen Etappenführer schieben und eine endlose Batterie an bösen Witzen hinterher schmeissen. Man kann sich aber auch darauf einigen, dass es schon ein wenig „chaotisch“ war den Weg zu finden.
Wie dem auch sei. Nach einer kurzen Essenspause auf der Rubihütte geht es dann auch weiter Richtung Sonnenköpfe. Nach dem Aufstieg durch das Waldstück geht dann rechts der Weg ab zum Entschenkopf. Der Aufstieg sollte ab dieser Stelle nur noch gemacht werden, wenn man wie schon beschrieben trittsicher und schwindelfrei ist. An einer Schlüsselstelle muss man auf alle viere und kraxeln. Der Rest geht in Serpentinen nach oben. Hat man es geschafft wird man mit dem schönsten Ausblick in diesen Jahr verwöhnt. In den Nordhängen hängt noch der Schnee. Das Rubi- und Fellhorn strahlen Dich an und man hat Zeit zu genießen. Wer konditionell nicht ganz so fit ist sollte nun den Weg wieder zurück nehmen.
Denn die weitere Gradwanderung zum oberen Geißalpsee hat es nochmal in sich. An ein paar Stellen sind Stahlseile fixiert und wer nicht schwindelfrei ist hat hier keinen Spass. Denn der Boden ist momentan durch das Tauwetter sehr aufgeweicht und Matsch an den Schuhen verträgt sich nicht mit feuchten Steinen.

Da wird es schmierseifenmäsig wie an manchen Felsen im Blautal beim klettern. Aber auch das Facebookkommentar, dass es wohl einer der schönsten Routen im Allgäu ist, sollte hier seinen Platz und vor allem Zustimmung finden.

Auch wenn man die Geißalpe im Blick hat, der Abstieg zieht sich wie die Sau und auch die Gradwanderung geht dann ab und an mal aufwärts.

Am Ende geht es über den Geißfuß auf einem leichten Weg hinab zum Oberen und weiter zum Unteren Geißalpsee. Hier zieht sich das ganze dann endgültig in die Länge.

Aber das Panorama ist ein Traum. Am unteren Geißalpsee geht es dann in der Ferienzeit dann zu wie am Baggersee.

Die Sonnenanbeter haben es sich an den Wiesen gemütlich gemacht, und die Schmerzensschreie der Versuchskarnickel die ihre Füsse zu lange im kalten Wasser baden dringen in einem leichten Crescendo an das Ohr.

Die Tour zum Geißalpsee ist zurecht sehr beliebt, da wundert es dann auch nicht wenn man Familien in Turnschuhen begegnet. Man schleppt sich noch am Wasserfall vorbei und läuft wieder Richtung Geißalpe. Doch Vorsicht ist geboten. Man muss einige Bachläufe queren und das wird dann endgültig zur Rutschpartie.

Ist man dann nach 7 Stunden an der Geißalpe angekommen, freut man sich über die nassforsche Bedienung und geniest den Schatten und den Café mit frischer Kuhmilch.

Die Preise und die Servicekräfte sind absolut in Ordnung und bekommt von uns das Prädikat „Schwäbisch Fair und Unterhaltsam“ aufgedrückt. In einer halben Stunde ist man dann wieder auf dem Parkplatz nach dem angenehm schattigen Abstieg im Tobel angekommen.

Fazit von uns:
Eine Hammertour. Nicht für Anfänger oder als Ersttour geeignet. (Hihi. Also ich kenne da jemanden der zwei Tage später immer noch nicht richtig laufen kann). Grosszügiges Zeitmanagement und genügend Wasser und Proviant mitnehmen. Vom Entschenkopf bis zur Geißalpe zieht sich der Weg elendig lange und das verleitet zum unterschätzen.
Aufstieg zum Entschenkopf: 2,5 bis 3 Stunden.
Gratwanderung zum Oberen Geißalpsee: 1 bis 1,5 Stunden.
Abstieg bei langen Beinen: 1 bis 2 Stunden.
Rechnet man noch ein bis drei Pausen ein, ist man für den Trip bis zum Auto gemütliche 8,5 Stunden unterwegs.

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