Kellenspitze

Kellenspitze Tannheimer Tal:

Kategorie:
Oststadtgehirnzellenpanikattackengemetzel

Oh ja…Der Berg hatte mich schon den ganzen Vorabend angelächelt…laut Bergführer im Schwierigkeitslevel 2, eine braune Strecke in Österreich und einen Bergführer der meinen Fragen ausweicht???
Ein Schneeabschnitt sollte uns erwarten, 3 Passagen mit Stahlseilunterstützung???
Hm…da kommt man schon ins grübeln, und zwar ordentlich…wer jetzt glaubt das ich als alter Panikmacher nicht 200 Fragen im Kopf hatte, kann sich bestätigt fühlen, sich auf die Schulter klopfen…scheisse…der Brocken sieht von unten schon mächtig aus…und ich hatte berechtigt meine Zweifel:-)

Oh ja…Den Vergleich in die Damenwelt verschweige ich…ok…vielleicht doch nicht ganz…aber???Es gibt wohl auch Menschen von denen man sich wahnsinnig angezogen fühlt, und deren Schönheit einen zweifeln lässt…weil einfach zu viele Kanten dabei sind….waren meine Bloggs in den Jahren zuvor mit McDonalds und Rubbellosvergleichen gespickt…so scheint sich hier ein neues Feld aufzutun:-)

Der Morgen danach??? Um sieben aufgestanden…kurz einen Cafe getrunken, die müden Knochen geschüttelt, der obligatorische Klogang (schau immer das Du als erster gehst…Die Verdauung haut es bei den meisten gehörig durcheinander)…und schon ging es los…200 Höhenmeter runter…200 Meter rauf…dann erstmal gemütlich gefrühstückt…am Hang…das teure 7 Euro Frühstück mit Marmelade haben wir ausgelassen (Zusatz von diesen Wochenende…wer mehr essen will und günstiger???Musaualm oder Füssnerhütte…auch wenn die Maierhütten Wirtsleute echt nett sind…es ist und bleibt eine Apotheke…und das ist nicht nett…)

Und am Berg macht es sowieso mehr spass…schwäbisch denken…nichts verschenken…

Der Berg??? Steil Steil Steil, also ab und an auf die Knie…unser Tempo war endlich angepasst, das beste was uns passieren konnte, war das wir am Vortag Zeit hatten uns einzulaufen…

Eine Truppe von geschätzten Mittsechzigern lief an uns noch vorbei, die trafen wir dann später am Hang wieder, als es hinter mir rumpelte und ein Hirsch mit einem rieeeeesen Geweih keine 30 Meter von uns entfernt quer über das Tal rannte…Ein riesen Geschrei, zwei aus der dreier Gruppe haben sich auch umgedreht, der Kollege war 30 Meter in Hörweite entfernt weitergelaufen und hat nichts mitbekommen…dazu später mehr…

Ein Hirsch???
Kenne ich nur aus Kneipennamen und aus dem Freigehege in der Ulmer Friedrichsau…in Natura bleibt einem die Spucke weg, wenn von Kraft und Anmut gesprochen wird scheinen diese Begriffe in diesen Moment wieder modern zu werden und man tauscht seinen Sprachgebrauch aus…hier wäre der Moment sich an Mendesohn zu wenden und ein frohlockendes „Oh Täler weit oh Höhen“ in den Abgrund zu schmettern, es bleibt aber bei einem einfach Wort: Unglaublich!!!

Auftstieg zu Kellenspitze:

Mittsechziger die zweite: (Zwischenmonolog am Berg)
Mitreisender 1 zu Mitreisenden 2 der in 30 Metern Hörentfernung vorgestiegen war:
Mitreisender 1: „Done…du hasch grad an mortz Hirsch verpasst!!!“
Mitreisender 2: „Ja, der Weg isch guad, den pack ma!!!“
Mitreisender 1:“Noi, Done, du hasch gerad an riesen Hirsch verpasst…An Hirsch!!!“
Mitreisender 2:“Ja…der Weg isch guad, koin Schtress“
Mitreisender 1: „Der Seggl isch echt scho taub“

???
Berechtigte drei Fragezeichen…auch wenn das wieder einmal in die Kategorie „Frede erzählt Märchen“ abgleiten kann??
Der Jüngste aus der Truppe war 72, Done der Vorkletterer 75 und der war wirklich halb taub, zweiter Gedankengang???
Die Jungs kamen 10 Minuten später als wir auf dem Plateau an…

AUA!!!!
Wie ging es weiter???

Am ersten Zwischenplateau auch dann die erste Todestafeln die ich gesehen habe, aber zum Glück war der alte Körper schon so konzentriert das für Panikgedanken kein Platz war…Nach dem Schlafen glaube ich der zweite Moment in meinem Leben wo ich nicht so richtig Lust auf Konversation habe…Auch wenn unsere Berggams Steve mir mitten auf der Tour meinen Rucksack richtig eingestellt hat und an mir rumgezurrt hat wie die Tante im Kindergarten???(Man könnte ja auch mal die Bedienungsanleitung der Dinger lesen oder einfach mal genauer hinsehen…bei dem neumodischen Glummp:-) Done…damols sen mer no mitm Ledersack unterwägs gwesa:-)Berechtigte Zweifel kommen auf die Damen…aber ich hatte am Abend endlich kein Kreuzweh mehr…Ja Steve…ist ja gut…ich weiss…

Die erste Erfahrung an den Stahlseilen zur Aufstiegshilfe war echt ok…Mutti hätte mir zwar ohne zu fragen eine geballert wenn sie gesehen hätte wo wir da raufgeklettert sind…12 Meter Wände zum krakseln??? Auf allen vieren, drei Passagen mit Stahlseil…Sehr sehr spannend die Damen…auch wenn es ungewohnt ist mit schweren Gepäck zu klettern…Die Firma Deuter macht einfach tolle Sachen…und in den Moment wird einem klar das man an manchen Sachen einfach nicht sparen sollte…
Das Schneefeld war zum Glück weggeschmolzen, davor hatte ich am meisten Bammel, wenn es links weg mal kurz 300 Meter den Abhang runtergeht und Menschen wie ich aber auch zu neugierig sind und immer runterschauen müssen…Aber bis zum Zwischenplateau ging alles reibungslos und hat sehr sehr viel Spass gemacht…Die Seilschaft war glaube ich noch nie sooooo ruhig:-)

Bis zum Einstieg auf die letzten Gipfelmeter…
Auf ca. 2100 Meter Höhe hat die Kellenspitze ein wunderschönes Plateau aus Gras und Felsen, Elke und ich haben da dann später gemütlich ein längeres Päuschen gemacht…Schlafsack raus und auf der Höhe im Alpenpanorama ein paar Zigos geraucht und die Stimmung genossen…warum ein Päuschen und nicht der Gipfel???

Nach dem Plateau geht es ca 60 Höhenmeter weiter, dann kommt ein kleiner Weg weiter zum Kamineinstieg zum Gipfelkreuz…Beim Aufstieg…ca 30 cm Wegfläche, dann bis zu einem Meter grün…dann eine Kante…und dann geht es einfach mal gemütlich ein paar Meter senkrecht nach unten…und die paar Meter senkrecht waren für das Oststadtkind ich gehe alles Schaltjahr mal aufs Münster ein wenig zuviel für die grauen Zellen…

Schande…das kleine grüne Männchen in mir hat auf den Alarmknopf gedrückt…und der Körper schreit dich an…“Alter…du warst gut für heute…aber ab hier gehst du keinen Schritt mehr weiter…“das war definitiv eine andere Liga…Steve und Papa Micha sind dann in den Kamin mit ca 4 Meter Tiefe eingestiegen…und zum Gipfel hoch…kurzes Kommentar nach dem sie uns wieder von unserer Siesta abgeholt hatten???
„War glaube ich ganz gut das Ihr zwei nicht dabei wart…“und das ganze mit einem sehr sehr breiten Lächeln im Gesicht…Michl aus Lüneburg wäre glücklich gewesen…

Wie schlimm wars???

Naja…da sieht man Leute die man mag an einer Felswand kleben…und von oben schreit dann einer „Steinschlag“ und
schon knallts da ordentlich????
Nichts für meine Nerven…nach einer Viertelstunde habe ich Elke gebeten mit mir auf das Zwischenplateau zu gehen…Ich konnte das nicht mit ansehen…hatte schweissnasse Hände…und beim Abstieg an den zwei Kanten habe ich mich glaube ich noch nie so konzentriert…auch wenn das Stück nicht schwer war???
Ist ein krasses Gefühl wenn man weiss es geht nach dem fucking kleinen Grünstreifen ein paar hundert Meter runter…und zwar senkrecht…und du dicke Wurst wirst sicher nicht von dem Grasflecken abgebremst…ja ja…die Spreu und der Weizen…der Cheeseburger und das Glas Milch…Der Bass und die Gitarre…

Unsere zwei Freaks, natürlich erfahrener wie wir, habe dennoch echt ein Hammerding geliefert…Elke und ich haben beschlossen das es für dieses Jahr bei dem Niveau bleiben kann, besser gesagt wieder eines drunter…schwer I reicht für dieses Jahr…aber keinen Schritt drüber…auch das ist einer der Vorteile bei uns…es gibt in der Gruppe keine Diskusionen…wer nicht will…will nicht…in drei Jahren besteige ich das Ding…aber dafür ist es einfach noch zu früh… und nachdem ich noch nicht mit dem Yeti per Du bin???Braucht es das auch nicht…

Ja Steve!!!Ich war tapfer:-)

Um die Kellenspitze geht ein sehr schöner Weg um dem Gipfel herrum, danach über ein Hochtal und einem sehr langen Abstieg quer durch einen richtigen Urwald wieder zurück auf die Musau Alm.
Das Hochtal lädt zum zelten ein…

Fazit:
Knapp 1000 Höhenmeter von der Maierhütte, Adrenalin zum All you can eat Preis, Hammeraussicht…was will man mehr???Bitte einen Kollegen mitnehmen der sich auskennt…nichts für Anfänger…nur in Begleitung Erwachsener:-)
Eignet sich perfekt zur persönlichen Teufelsaustreibung und zur inneren Erkenntniss wo gesunde Grenzen sind…

Offtopics am Rande:
Den zweiten Bergdeppen haben wir auch getroffen…die Geschichten sammel ich aber und mache daraus glaube ich echt eine soziologische Studie…

Warum die äusserst attraktive Musauwirtin mich angschnauzt, wenn eine 4 jährige Rotzgöre Steine für ihren schicken, weissen Schäferhund zum aportieren wirft, bleibt mir ein Rätsel, wo ich doch so brav ohne Gel aussehe…

Schwaben sind überall!!!
Aus Beimerstetten einen ehemaligen Outlaw getroffen der mit seinen Lehrlingen zum Abschluss zu Rock am Ring geht…Hammertyp…grosse Kugel…und sehr sehr unterhaltsam…

Je höher du steigst, um so leerer wird der Sammelbehälter deiner seelischen Lasten…

Grüße

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