Falscher Kogel – Nameloshütte II

Teil II:

Auf die Namenlose Wetterspitze war das Ziel des zweiten Tages.
Nachdem ich mich schon den ganzen Abend über die Tante der Hütte aufgeregt hatte, und eine ausführliche Diskussion natürlich unausweichlich war, haben wir im Kollektiv unsere Wasservorräte selber rationalisiert…
Ein Liter Eistee und einen Liter Teewasser für 5,20 Euro, mit den Resten in unseren Flaschen kamen wir so auf einen Liter pro Seilschaftnase, laut Karte von Steve sollte aber auf dem Weg noch ein Bach kommen. Die Wetterspitze haben wir aus Zeitgründen dann fürs nächste Jahr aufgehoben, dachten das es schneller gehen würden wenn wir auf halber Höhe eine Bergumwanderung machen könnten, ins Tal runter und dann gemütlich wieder Hoch zum Kogel. (Später hat sich dann herausgestellt das es eigentlich aufs gleiche rausgekommen wäre, und sicher genauso anstrengend gewesen wäre….)
Musiker und Frühaufsteher???
Es geht, ok, in diesen Umfeld geht es. Man wird belohnt. Auch wenn es ein paar Sekunden länger dauert, ein Sonnenaufgang in einem Tal ist wirklich schön, dank unserer Klamotten war es auch warm, wir haben dann natürlich noch die obligatorischen „Guten Morgen“ Bilder gemacht, die aber aufgrund der Persönlichkeitsrechte hier nicht veröffentlicht werden können…hihihi…Gott wir hatten alle Augenränder…
Also sind wir nach zwei Cafés gemütlich schon mal losgezogen, haben an einer schöner Stelle im Freien unser erstes Frühstück zu uns genommen, nebenbei Hirsche durchs Fernglas gesucht und auch tatsächlich gefunden, Jagdwurst von Aldi schmeckt besser wie das Bauernfrühstück, also wenn jemand auf den Gedanken kommen sollte???
Ein paar Gruppen sind dann auch schon an uns vorbeigelaufen, geschätzt??? Sehr viele Sozialpädagogen und Lehrer, wäre die 16 jährige Truppe aus Kaufbeuren nicht gewesen? Wir wären wohl die Jüngsten am Berg, also bahnt sich ein Generationswechsel an.
Was früher „das Wandern ist des Müllers Lust“ war, wurde von Knocking on Heavens door und Jack Johnsons Songs vertrieben.
Auf den ersten Weg in die Talsohle merkte ich auch schon meine Knie, das nächste Mal nehme ich Stöcke mit, die Dinger sind ein Segen.
Der erste Aufstieg?
Hoppla, war ziemlich giftig die Damen, Steve legte als Führungsbergziege ein gutes Tempo vor, wir kamen auch auf die erste Spitze, aber es war schon mal aua…
Oben gab es dann erst mal getrocknete Feigen (Sensationell viel Zucker) und Jägersnack???
Hopfsches Kochbuch/Tipps uns Tricks für Outdoormenschen oder die es einmal werden wollen…
-Man nehme Kouvertüre (Blockschokolade zum verzieren von Kuchen, sehr hoher Schmelzwert…)und gesalzene Erdnüsse aus der Dose, zerhacke die Schocki, alles zusammen in eine verschliessbare Ikeaplastiktüte rein und los geht’s…Schmeckt wie Snickers nur ein Fitzel Salzig und sehr sehr lecker wenn man gerade im Konditionsloch steckt.-Immer zwei T-Shirts mitnehmen, und sofort oben nach dem Aufstieg wechseln. In der Hitze des Gefechts unterschätzt man wie nass die Dinger sind…danach das erste einfach aufs Kreuz hängen oder an den Rucksack zum Trocknen.-Immer etwas für den Zuckerhaushalt mitnehmen…Balisto…whatever…-Fettbemme ist die ostdeutsche Bezeichnung für Schmalzbrot
-Wasser nur aus fliessenden Gewässern entnehmen, und darauf achten das die Kühe schon von der Weide sind…Dont eat yellow Snow???Dont drink yellow Water!!!

Wie schon im ersten Teil, ein Wanderkollege ohne Arme ist mit seiner Schwester auch dabei gewesen.

Respekt, mehr als das, was so Storche wie ich als überlebenswichtig ansehen, die Flügel um die grobmotorischen Unfähigkeiten auszubalancieren, hat der Kerl einfach ohne gemacht, und das in einem Tempo…das wären wir nicht hinterher gekommen…
Also wir nicht auf den Gipfel sondern schön drumherum gelaufen, ab in das Nebental und los gings mit den Abstieg bis ganz nach unten…Die Wiesen wurden wieder grüner, die Sackpeitschen höher, 70 Grad Hänge waren für uns ok, Wasser plätscherte durch Rinnsale nach unten, für einen kurzen Moment dachten wir das wars wohl mit dem nachfüllen…
Aber Fortuna stand auf unserer Seite, nach gefühlten Zehn Stunden Laufen, wir waren aber gerade mal 3 unterwegs, kamen wir an einen Wasserfall, Kinder, was haben wir uns gefreut, klares Wasser, und das in Massen.
Oststadtphilosophie die Erste…Oder Bauernfrühstück nach Art des Hauses…

In den Bergen reduziert man sich. Anders kann ich es nicht erklären. Auch wenn ich schon immer auf die Kleinigkeiten gestanden bin, auch denke das diese in den Zwischenmenschlichen Geschehnissen die Basis ausmachen, so bin ich an diesen Tagen wieder mal eines besseren belehrt worden. Es mag für den verstaubten Leser seltsam sein, man kauft sich Sprudel, Wasser aus dem Hahn trinkt man nur wenn man zu faul ist den Weg zum Supermarkt um die Ecke zu fahren, Essen ist eine Auswahl von dem was der elterliche oder Gemeinschaftskühlschrank hergibt, Bäume sind ein Beiwerk das neben dem Autobahnen an einem vorbei rauscht. Die Geschichte das der Durstige sich nach Wasser zehrt können wir nachvollziehen, etwas anderes ist es aber so etwas zu erleben. Ja, man schleppt lieber 2,5 Kilo mehr auf dem Rücken wie durstig zu sein, und man freut sich richtig über Wasser. Eine Wandlung innerhalb von einem Tag. Baumgrenzen werden ausgemacht, Farben neu entdeckt, Stille ist angenehm, Zigaretten schmecken nicht mehr so gut, Gespräche können sich vertiefen, man hat Zeit, Zeit nach zu denken, Zeit mit sich auseinander zu setzen, Zeit mit anderen zu reden, Zeit um zu schweigen, Zeit zu genießen, auch wenn es Schmerzen sind:-)

Weiter geht’s…

Also wir ins Tal, frisch aufgefüllt mit Wasser, die Hütte 300 Höhenmeter über uns, das letzte Gipfelkreuz als Drehpunkt zum Parkplatz 600 Meter, drei Stunden Aufstieg lagen vor uns, und wir sind durchgelaufen, schweigend, jeder in seinem Tempo, Schritt für Schritt nach oben, mit einem leichten Anflug von Stolz an der Hütte vorbei in dem Wissen das man nicht für 10 Euro seine Wasservorräte nachkaufen musste und die Natur uns das gegeben hat was Puntze uns verwehrt hat…
Zurück auf unser erstes Gipfelkreuz…
Wie wir oben angekommen sind???
Da kann jeder seine eigene, persönliche Geschichte erzählen, aber interessant ist was der Körper leistet wenn er muss, kein Aufzug da ist, keine Rolltreppe, kein Auto, sondern nur die Füße die Aua machen und das Kreuz das sich so langsam meldet. Ein ganz persönlicher Ironman. Jeder weiss für sich was er leistet. Und man vergisst den Konkurrenzdruck was andere können, das es Menschen gibt die auf 8000 Meter gehen, es reichen 600 Höhenmeter um sich selber ein Stückchen näher zu sein. Man läuft weil man muss, kommt in eine Zustand der Trance, indem der Körper nur noch reagiert, geduldig, sicher langsam, aber stetig, man atmet, erlebt die Muskeln neu, spürt mal seine Beine, wird hell im Kopf, aber langsam im Laufen, Gedanken kommen und gehen, werden schnell abgearbeitet, man verarscht sich durch reisen im Kopf, lenkt sich ab durch Bilder die einem auf den Weg geschmissen werden, motiviert sich mit Halbwahrheiten. Zwischendurch rätselt man wie sich solche Bilder ergeben können, die Berge als halbreale Welt, vertraut, grotesk, schön, abstossend, alles auf einmal, Steine die Wandern, Gras das sich bewegt, man findet seinen Rhythmus, und läuft.

Gott liebt die Beständigkeit – einer dieser Arschlochsätze die ich gerne raushaue wenn ich meinen Philosophen raushängen möchte, Junge Junge Junge, in diesen Kontext mit neuer Bedeutung:-)

Nachdem ich mein Tshirt gewechselt habe, habe ich meinen Rucksack auf den Boden geschmissen, mit den Händen die Wurst aus dem Glas geholt und gegessen, das Messer war beim Mitbewohner im Rucksack, und es war mir scheissegal…ich musste nur essen, trinken, atmen…Kurz ein sehr barbarischer Zustand…Vollkornbrot ist in so einem Zustand das Kaviar der Berge:-)

Von oben konnten wir den Weg sehen den wir gegangen sind…hätte es mir jemand vorhergesagt das ich/wir das in 6,5 Stunden laufen würden? Ich hätte es nicht geglaubt. Aber man ist ziemlich stolz auf sich:-)

Eine Stunde Abstieg, ins Auto und nach Hause…

Wars das?

Nein, glaube ich nicht, der Mitbewohner und ich sind angefixt worden, und ich denke wir werden das öfters machen, in dieser Truppe ein Traum, man kann solche Trips nicht mit jeden machen, Geduld, Nachsicht und Toleranz stehen da ziemlich weit oben auf der Rangordnung, und man kann nicht einfach mal so weggehen:-)

Aber???

Wer Lust hat den Alltag zu entfliehen, mal Ruhe in der Birne braucht, in der Seele ein bisschen mehr Frieden, der sollte sich mal auf den Weg machen, für die schwäbische Sparfraktion, der Trip hat für zwei Tage mit Sprit und Übernachtung 50 Euro gekostet, das kann man sich leisten, auch wenn wir uns sicher noch ein wenig mehr sparen hätten können…Junge ich kann mich immer noch über die Wirtin aufregen!!!!

Auch wenn man Montags gerädert ist, beim arbeiten vielleicht ein bisschen ruhiger wie sonst, es lohnt sich:-)

und zum Abschluss dieser Wortlawine, ein kleiner Satz mit dem Steve die Fotos kommentiert hat und der einfach stimmt…

Nur wo Du zu Fuss warst, warst Du wirklich!

Grüße

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